Trauer um Anton Wild

Helmut Reiner und Klaus Weber

Ein langes Leben war ihm vergönnt, immerhin: Anton Wild (geb. 1924, gest. 2017) wurde 92 Jahre alt. Wir verabschiedeten uns von ihm in der Beerdigungsfeier am Donnerstag, den 12. Januar 2017 in der Pfarrkirche St. Ulrich in Oberhausen, seinem Heimatort.

Anton Wild gehörte zu den prägenden Mitgliedern in der Arbeitsgemeinschaft für Geschichte und Landeskunde in Kenzingen e.V. (AgGL). Er war fest verwurzelt in unserem Vereinsleben, konnte gut zuhören und uns besonnen und vorausschauend in der Nachwuchsarbeit kluge Köpfe vermitteln; zum Beispiel Dr. Roland G. Foerster, langjähriger Schriftleiter der PFORTE. Dankbar nahm er als Schulleiter des Gymnasiums Kenzingen mit Schreiben vom 8.6.1983 das Angebot des Vereins an, jährlich einem Abiturienten einen Preis für hervorragende Leistungen in Geschichte zu verleihen. In der Konferenz von Juni 2016 beschloss die Gesamtlehrerkonferenz schon zum 38. Mal, den Hermann Sussann-Preis einem Abiturienten zuzuerkennen. Eine der Preisträgerinnen pflegt zur Zeit unsere Homepage.

Anton Wild war als Lehrer und Schulleiter auf allen Ebenen ein echter „Brückenbauer“ – unter anderem auch zwischen Schule und Stadt. Wir freuten uns deshalb auch sehr über die Verleihung der Ehrenplakette der Stadt Kenzingen an ihn 1986.

Wir schätzten sehr seinen Rat. Seine Freundlichkeit und Offenheit, die jährlichen Besprechungsrunden im Gymnasium als Kommunikations- und Reflexionsmedium für die Verständigung, insbesondere auch mit der Fachschaft Geschichte waren ein Gewinn. Ein weiser und kluger Mensch, der die Dinge auf den Punkt brachte. Er war beheimatet in der Welt des Geistes und der Ästhetik. Seine humane Gesinnung war uns allen ein lobenswertes Vorbild. Seine Empathie für den Verein bei seiner Festansprache zum 25. Jubiläum 2005 in der Alten Festhalle bleibt unvergessen. Die Leidenschaft für Heimatgeschichte und seine Beiträge in der „PFORTE“ machten ihn zu einem treuen Freund der AgGL. Von bleibendem Wert sind seine Aufsätze:

Über die Fischerordnungen im Gebiet der unteren Elz                          Nr. 7, S. 46
Die Ablösung der Herrenrechte in der Grundherrschaft
Hecklingen
Nr. 13, S. 160
Der Meierhof des Klosters Wonnental in Oberhausen Nr. 22, S. 91
Alte Kenzinger erinnern sich –

Bürgerinnen und Bürger berichten von der Nachkriegszeit

Nr. 34, S. 58
Kulturelles und gesellschaftliches Engagement an der Höheren Bürgerschule und den Nachfolgeschulen in Kenzingen

 

Das Schulwesen in Kenzingen, in: Die Geschichte der Stadt Kenzingen, Bd II, S. 155f., 1999

 

Beiträge zur Geschichte des Nördlichen Breisgaus u.a. in: Jahrbuch des Landkreis Emmendingen, Die Ortenau, Schau-Ins-Land

Nr. 40, S. 81

 

 

In seiner Heimatgemeinde Rheinhausen brachte er zwei Bände der Rheinhauser Ortschronik heraus, die interessante Einblicke in die Geschichte von Ober- und Niederhausen bieten. Auf Anton Wild, den Ortschronisten und  Ehrenbürger der Gemeinde Rheinhausen, geht auch der Bildband „Zwei Hüse am Rhin“ zurück.

Im Oktober 2016 durften wir persönlich Anton Wild den Partnerschaftsband Vinkovci-Kenzingen druckfrisch zuhause übergeben. „Städtepartnerschaft – Feierlichkeiten für Europa – was läuft da aktuell?“ Diese Frage von Anton Wild bringt nur zu deutlich auf den Punkt, wie wichtig dem ehemaligen Lehrer für Deutsch, Französisch und Geschichte die europäische Idee war.

Seine guten Werke bleiben in Erinnerung. Wir haben ihm viel zu verdanken. Für die AgGL bedeutet sein Tod eine große Zäsur. Als Mensch hat er jetzt Heimat gefunden in seinem christlichen Glauben.