Die Hammerschmiede im Muckental (Bleichtal)

Mühlentagsposter
Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung e.V.

Wie in den vergangenen Jahren beteiligte die Hammerschmiede auch 2014 an dem von der DGM e.V. (Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung) bundesweit veranstalteten Mühlentag. Die Intention der DGM e.V. ist es alte Mühlen vor dem Zerfall zu retten und für die Nachwelt zu erhalten.

Die dringend anstehende Erneuerung einer der drei Wasserradanlagen veranlassten uns am Deutschen Mühlentag teilzunehmen, um dabei Interessierten die ansonsten funktionstüchtige Hammerschmiede vorzuführen zu können.

Handgeschmiedeten Äxte, Beile, Hacken und Messer sowie Nutz- und Ziergegenstände für Haus und Garten, wurden zum Verkauf angeboten und die Erlöse der Restaurierung zugeführt. Auch einen Schärfdienst für stumpfe Messer, Meißel, Äxte usw. gab es.

Bericht in der Badischen Zeitung vom 11. Juni 2014


Bei der auf Kenzinger Gemarkung liegenden Hammerschmiede im Muckental handelt es sich um ein Technisches Denkmal, das in einer Bauplanung am 4. April 1867 das erste Mal erwähnt wird.

Es handelt sich hier also um eine sehr „junge Hammerschmiede“. Aber gerade diese Tatsache macht deutlich, dass sich an der Bauweise der Hammerschmiede im Gegensatz zu weitaus älteren Objekten, die über 400 Jahre Geschichte schreiben, keine nennenswerten baulichen Unterschiede zeigen.

Die verwendeten Baustoffe waren damals wie um 1870 Schleif- und Bruchsteine, Eichen-, Lärchen- und Tannenholz sowie Eisen und Gusseisen.

Das Schmiedegebäude, welches zwischen dem Bleichbach und dem Muckenbach liegt und somit die Wasserkraftnutzung ermöglicht, hat eine Größe von 13,8 m x 7,3 m.

Die Schmiedewerkstätte, die wie erwähnt um ca. 1870 fertiggestellt wurde, existierte bis zur vorletzten Jahrhundertwende als Kellergeschoss mit einem Satteldach. Erst dann wurde das Gebäude zu Wohnzwecken aufgestockt.

Der Hammerschmied und seine Familie wohnten bis zu diesem Zeitpunkt in dem zur Muckenmühle gehörigem Wohnhaus.

In den folgenden Jahren entstand durch den Verkauf von Schmiedeerzeugnissen in der Wohnstube ein reger Publikumsverkehr, woraus sich im Laufe der Zeit eine Gaststube entwickelte.

Die Blütezeit hatte die Hammerschmiede um die vorletzte Jahrhundertwende und nach der Weltwirtschaftskrise in den 20er Jahren bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Hergestellt wurden in erster Linie Handwerkzeuge für die Land- und Forstwirtschaft z.B. Hacken, Stechschaufeln oder Beile aber auch Werkzeuge für verschiedene Handwerksberufe beispielweise Stechbeitel, Stoßäxte oder Seitbeile für Zimmermänner. Auch wurden die damals umliegenden Sandsteinbrüche mit Steinbohrern, Hämmern, Zweispitzen, Meißel und vieles mehr bedient. Pickel und Spitzhacken fanden im Baubereich Verwendung.

Während des Krieges ruhte der Schmiedebetrieb, so dass der „Zahn der Zeit“ der bereits in die Jahre gekommenen Schmiede schwer zusetzte.

Für den aus dem Krieg heimgekehrten galt es, zuerst wieder die Schmiedewerkstätte herzurichten um sein Auskommen zu sichern.

Aber schon bald wurden die Bemühungen durch die raschen Rationalisierungsschritte der Industrie in der Nachkriegszeit sinnlos, so dass der Betrieb mangels Rentabilität und Nachfrage eingestellt werden musste.

Bis zum Tod des letzten Hammerschmiedes Josef Feißt (1967) wurden nur noch vereinzelt Kundenwünsche ausgeführt.

Von diesem Zeitpunkt an war die Hammerschmiede dem Verfall preisgegeben.

Sodann wurde der Raum als Lagerplatz für allerlei Gegenstände verwendet, Teile der Schmiedeeinrichtung wie die Schleiferei wurden vollständig entfernt und das Hammerwerk musste 1980 zum Teil dem Einbau einer Turbine weichen.

Erst im Jahr 1987 nach einem verheerenden Hochwasser wurde mit den Aufräumungs- und Restaurierungsarbeiten begonnen, welche sich bis heute fortsetzen.

Doch schon zum Pfingstsonntag 1994, anlässlich des ersten Deutschen Mühlentags, waren die wichtigsten Bestandteile wie die Esse und das Hammerwerk wieder einsatzbereit, so dass zu diesem öffentlichen Auftritt Tausende Besucher einen Einblick in das finstere Gemäuer fanden.

Ein weiterer Höhepunkt war im Jahr 1996 der Einbau des hölzernen Kehrrades (Wasserrades) zum Antrieb des Schleifsteins bzw. des Generators. Doch leider bereitete ein im Wasser lebender Holzschädling dieser Freude nur eine kurze Dauer, so dass das hölzerne Wasserrad 2008 wiederum erneuert werden musste, allerdings nun als Metallrad wie eines auch schon zwischen 1948 und 1996 hier im Einsatz war.

Der zweite Mühlentag im Mai 1999, wobei der im Durchmesser 2 Meter messende und ca. 1,6 Tonnen schwere Schleifstein erstmals wieder richtig betrieben werden konnte, war ebenfalls ein großer Erfolg.

Hinzu kam, dass im Winter 2003/04 der 20 Meter lange aus Bruchsteinen aufgesetzte unterirdische Kanal, welcher das Wasser wieder in den Bach zurückführt, größtenteils zusammengebrochen war und daher nur noch eine minimale Nutzwassermenge abfließen konnte so dass auch hier wieder große Sanierungsarbeiten notwendig geworden sind.

Als nächstes steht nun der Ersatz des 1987 erneuerten Wasserrades an, welches das Schmiedegebläse sowie Bohr- und zwei Schleifmaschinen antreibt. Doch leider wird die nun auch bald 150 Jahre alte Zahnradübersetzung mit erneuert werden müssen, so daß mit Kosten von ca. 35.000 € zu rechnen sind.

Die Muckentäler Hammerschmiede, als eine der ganz wenigen noch erhaltenen Hammerschmieden, zeichnet sich durch die volle Funktionalität aus. Die wuchtigen Schwanzhämmer, der o.g. große Schleifstein oder die über eine Transmission angetriebene Bohrmaschine welche allesamt von der Urgewalt des Wassers getrieben werden. Gerade die Verbindung von Feuer, Rauch sowie Wasser und dem Ambossklang in einem kühlen Keller bewegen alle Sinne.

Deshalb wird am 8. und 9. Juni 2014 anlässlich des „Deutschen Mühlentages“ durch die Schmiedezunft des Landkreis Emmendingens, die übrigens 1995 in der Hammerschmiede gegründet wurde, ganztägig die alte Schmiedetechnik wieder hautnah erlebbar gemacht.

Selbstverständlich wird zu diesem Anlass kein Eintrittsgeld erhoben, doch sind wir natürlich aufgrund der immensen Unterhaltungskosten um jede auch noch so kleine Spende dankbar, da in heutiger Zeit die Mittel des Denkmalschutzes sehr begrenzt sind.