150 Jahre Schmiede Muckental

Der Schmied ist einer der ältesten Handwerksberufe. Mit der in der Vorgeschichte beginnenden Nutzung von Metallen ergab sich auch die Notwendigkeit, diese in die gewünschte Form zu bringen. Die Bearbeitung mit einem Hammer bringt das (in der Regel erhitzte) Werkstück in diese Form. Diese Grundform des Schmiedens als warmem Umformen findet sich in der Technikgeschichte in ganz unterschiedlichen Variationen (Kupfer-, Silber-, Goldschmied-, Sensenschmiede usw.) und oft kombiniert mit anderen Verfahren: So hatte bei Eisenwerkstücken das Hämmern zudem vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert den erwünschten Effekt, dass dabei aus den aus den Rennöfen oder Hütten kommenden „Luppen“ noch Schlackereste „ausgeschmiedet“ wurden. Weiter konnte der Schmied auch verschiedene Stücke aus Eisen und Stahl „zusammenschmieden“, was technologisch dem Schweißen sehr ähnlich ist und beispielsweise bei Schwertern praktiziert wurde. Insgesamt hatte und hat das Schmieden gegenüber anderen Formgebungsverfahren (Guss, spanabgebende Bearbeitung) den Vorteil, dass die Festigkeit und Konsistenz des Werkstoffes durch die Bearbeitung eher erhöht als geschwächt wurde. Daher spielen geschmiedete Teile bis heute eine Rolle, selbst wenn in vielen Anwendungsbereichen inzwischen gewalzte oder gegossene Teile zum Einsatz kommen.

Geschmiedete Werkzeuge und Waffen aus Eisen oder Stahl waren vom Beginn der Eisenzeit bis weit in die Neuzeit nahezu konkurrenzlos. Qualitative Überlegenheit in die Schmiedekunst sicherte manchen Völkern oder politischen Einheiten ihre Machtstellung. Es ist daher kaum verwunderlich, dass es einerseits bei den Steppenvölkern des Mittelalters das Phänomen der „Schmiedekönige“ gab. Andererseits finden sich in vielen Kulturen weltweit schon seit der Antike die mythologische Überhöhung der Schmiede, die sich zum Teil in Göttern äußert, die Schmiede sind (Hephaistos) oder mit Hämmern agieren (Thor).

Ein spätes Erbe dieser starken Wertschätzung und Faszination, die sich in jenen mythologischen Vorstellungen äußert finden sich noch heute. Ein ausgeprägter Stolz der Schmiede selbst und die fortbestehende Faszination der Laien für diesen mit Feuer, Luft und Eisen hantierenden Handwerker erklären, dass Schmieden zu den Kulturdenkmalen der Industrie und Technik gehören, die schon relativ früh die Aufmerksamkeit der Denkmalpflege erregten. So wurde der „Frohnauer Hammer“ bei Annaberg (Sachsen) schon ab 1907 von regionalen Heimatschützern als Denkmal gepflegt, im Werk „Technische Kulturdenkmale“ von Matschoss/Lindner 1932 sind einige weitere Hammerwerke abgebildet und in Baden-Württemberg wandelte sich beispielsweise die Hammerschmiede am Blautopf 1966 zum Museum. Wenige Jahre danach wurde, wie Folkhard Cremer schön zeigt, auch die Schmiede im Muckental  vor dem Abriss bewahrt und als Denkmal erkannt.

Es ist sehr zu begrüßen, dass die Geschichte dieser Schmiede, zu der offenbar umfangreiche Quellen vorlagen (was  durchaus nicht überall der Fall ist), im vorliegenden Artikel so genau und in breitem Kontext dargestellt wird. Dies gilt nicht zuletzt für die Passagen, in der es um die Behandlung der Schmiede durch die Denkmalpflege geht. Die Gratwanderung zwischen dem Substanzerhalt auf der einen und den Erhaltungsperspektiven des gesamten Denkmals auf der anderen Seite sind hier schön geschildert. Der Artikel wird somit auch bei der Betreuung anderer Kulturdenkmale dieser Branche nützlich sein.

Im Denkmalbestand des Landes Baden-Württemberg finden sich etwa 300 Objekte, die in irgendeiner Form mit Schmieden zu tun haben. 16 davon sind Hammerschmieden wie die geschilderte, die anderen verteilen sich auf unterschiedliche Typen dieser facettenreichen Gattung: Häufig sind es Schmieden, die hauptsächlich vom Hufbeschlag oder der Herstellung bzw. der Reparatur landwirtschaftlicher Geräte lebten. Hier sind keine wasserkraftbetriebenen Schwanzhämmer zu finden und auch gar nicht notwendig. Allerdings gibt es dort oft maschinelle Hämmer (Federhämmer o.ä.), die als materielle Dokumente der Technikgeschichte ebenso interessant sind, aber eben einen geringeren Grad an Kuriosität und Faszination ausstrahlen als die Schwanzhämmer. Weiter ist die Entwicklung typisch, die Folkhard Cremer für die Hammerschmiede in Teningen berichtet: Als Metallhandwerker versuchten Schmiedebetriebe, als der klassische Markt an schmiedeeiserne Teile zurückging, oft sich in benachbarte Branchen des Metallhandwerks (Schlosserei) oder in Richtung der Metallindustrie und des Maschinenbaus zu entwickeln. Ein schönes Vergleichsbeispiel dazu ist die Firma Kurtz in Wertheim, die noch eine historische Schmiede mit Museum betreiben lässt und deren Unternehmensgeschichte jüngst in einem Buch ausführlich dargestellt wurde. Ein anderes, nicht so gut überliefertes Beispiel ist die Schmiedetechnik Henning in Metzingen, die 2015 Gegenstand des Studentenworkshops des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz war.

Den genannten Schmieden mit funktional erhaltener, d.h. vorführbarer technischer Ausstattung  ist eines gemeinsam: Sie haben neben dem reinen Kuriositätswert ein enormes didaktisches Potential, das in (Berufs-)Schule und Hochschule oft noch zu wenig in der Vermittlung technischer Inhalte genutzt wird. Denn eine historische Schmiede kann mehr sein als ein Ausflugsziel für den Geschichtsunterricht oder den Betriebsausflug: Die hier angerissenen Fragen der Formgebung, der Eigenschaften des Ausgangsmaterials und des fertigen Werkstücks können am konkreten Objekt sehr anschaulich nachvollzogen werden respektive werden den Betrachtern erst beim Betrachten des Prozesses richtig bewusst. In diesem Sinne sind der Schmiede im Muckental auch weiterhin viele wissbegierige Besucherinnen und Besucher zu wünschen.

Dr. Michael Hascher
Referent für Kulturdenkmale
der Industrie und Technik
Landesamt für Denkmalpflege